Hilfe? Helfer? Kümmerer? Professionalität einfordern heißt nicht, für ein bezahltes Ehrenamt eintreten !

(Achtung Fiktion) Stellenausschreibung, so wie sie sein sollte …

 

Die Stadt Langenfeld sucht 3 Fachkräfte für:

 

Aufgaben: Parteiliche Begleitung durch den Paragrafendschungel, Hilfe zur Selbsthilfe in Alltagsfragen des familiären und nachbarschaftlichen Zusammenlebens, Orientierung über Angebote der Beratung und der sozialen Hilfen für Kinder und Erwachsene, Integrationshilfe Schule/ Kultur/ Sport, Konflikt- und Gewaltprävention sowie Intervention, zielgerichteter Austausch mit anderen AkteurInnen in der Flüchtlingsarbeit

 

Ausrichtung: Geschlechtergerecht, kultursensibel,  vernetzt und mit einer Haltung, die humanitären, emanzipatorischen und demokratiefördernden Zielen entspricht und die über Einzelfallhilfe hinaus agiert, indem sie die BewohnerInnenschaft in den Quartieren als Gruppe  wahrnimmt und fördert.

 

 

Drei Stellen sollen es sein; nicht etwa aus dem Langenfelder Haushalt finanziert, nein, aus überregionalen Fördermitteln. Seit wann liegt dieses Geld schon bereit? Im Juli hatte ich am Runden Tisch Flüchtlingsarbeit der Stadt Frau Prell dringend gebeten, bei der Besetzung dieser Stellen professionelle Qualifikation, z.B. als SozialarbeiterIn, vorzusehen. Meine Phantasie könnte sich derzeit auch eine Krankenschwester, einen Freizeitpädagogen oder eine Schuldnerberaterin vorstellen, denn es kursiert das Gerücht: der Arbeitsmarkt für Fachkräfte sei leer gefegt. Die Stadt sucht nun  ausdrücklich drei „KÜMMERER“. Wenn wir bisher nach dem Konzept der Arbeit der städtischen Honorarkräfte fragten, kam die Antwort: „Hilfe in allen Lebenslagen“. Auch das ist kein Konzept auf das man sich mit ehrenamtlicher, paralleler Arbeit beziehen kann.

 

 

Nach 4 Wochen unterstützender Arbeit für die vom Brand am 7. Oktober in der Unterkunft Alt Langenfeld betroffenen Menschen kann ich sagen, dass der Versuch, Seite an Seite  bzw. Hand in Hand mit der Stadt zu arbeiten, gescheitert ist. Seit dem 11. Oktober arbeite ich ohne Kommunikation mit städtischen Mitarbeitenden. Die klassische Frage lautet: arbeiten die Autoritäten einer Stadt  gemeinsame mit einer NGO, nebeneinander oder gegeneinander. Ich sage, ich arbeite, denn ich nenne das, was ich getan habe, eine Mischung aus Indoor- und Outdoor Streetwork, aus Community Organizing  und aus Freizeitpädagogik für 12 Schulkinder, die Ferien hatten. Meine berufliche Qualifikation ist und bleibt Sozialpädagogin.

 

 

Ich habe mich an den Beginn der Arbeit mit Flüchtlingen im Jahr 2015/16 erinnert. Da haben HelferInnen sich selbst beauftragt, Neuland betreten und ihre Rolle im Gegenüber zur Zielgruppe, zu Hilfsorganisationen und zu städtischen Verantwortlichen gesucht und meist gefunden. Dieser Prozess war eine gesellschaftliche Wertschöpfung. Oft, auch in Langenfeld, gab es gleichzeitig einen öffentlichen Dialog. Aus diesem Prozess hatte ich irrtümlich den Eindruck gewonnen, dass  Merkels „Wir schaffen das“ letztendlich auch hier, in unserer Stadt, Konsens ist. Unterschiedlichste politische Papiere und Berichte täuschen das aber nur vor.

 

 

Angesichts der unwidersprochenen Berichte in der Sitzung des Ausschuss für Soziales und Ordnung am 7.11.2018:

 

- dass das größte Sicherheitsrisiko die Bewohner selbst sind, und dass die zahlreichen Fehlalarme in den Unterkünften doch wohl genug der Feuerschutzübungen gewesen seien,

 

- dass man den Dialog mit der Flüchtlingshilfe unterbrochen hat, wegen der Unstimmigkeiten zum Thema Parkverbot für HelferInnen in Quartiernähe,

 

- die in epischer Breite vorgetragene Information, dass drei Flüchtlinge  gewagt haben,  das Wohnungsangebot eines 22 m² großen  Luxusappartements abzulehnen,

 

- dass das Krisenmanagement der Stadt einhellig gelobt wurde: die Systeme funktionieren, Sachhilfen wurden gewährt, obwohl wir das bei Normalbürgen nicht tun würden…… finde ich meine alte Einschätzung: „Langenfeld ist nach Außen Merkel und nach Innen Seehofer“ erneut bestätigt.

 

Wenn wir feststellen, Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit geraten mit ihrer Unterstützung an Grenzen, dann findet dass nur insofern Gehör, als das die Verantwortlichen in Langenfeld ihrem Ziel, der Abschreckung von Flüchtlingen, näher kommen. Das Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit zu loben, auszuzeichnen und gleichzeitig ehrenamtliches Engagement nicht mit Professionalität zu unterstützen, ist ein weiterer Hinweis auf die benannte Doppelgesichtigkeit.

 

 

Luise Pawlowsky