Thomas Schmitter lebt im Ruhestand und hat die Flüchtlingshilfe Langenfeld über viele Jahre aktiv begleitet. Mehrere Jahre war er Mitglied des Lenkungskreises. Auch heute hilft er noch gelegentlich bei Sprachkursen oder Vorbereitung auf Sprachprüfungen.
Thomas Schmitter – Erinnerungen an Begegnungen
Zu Beginn der Flüchtlingswelle war das gegenseitige Unverständnis, also die sprachlichen Barrieren, eines der größten Probleme. Es standen im ersten Jahr 2015/16 viel zu wenig Sprachangebote zur Verfügung, so dass die Flüchtlingshelfer hier selbst tätig werden mussten.
Thomas und seine Frau nahmen 2 junge Männer aus Afghanistan in ihre Obhut und begannen mit ihnen den Deutschunterricht. Heute, sagt Thomas nicht ohne Stolz, haben ihre beiden Schüler, obwohl sie nur eine geringe Schulbildung aus ihrem Heimatland mitbrachten, eine Berufsausbildung absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Auch dabei waren sie nicht auf sich allein gestellt, sondern konnten sich auf ihre Helfer verlassen. Beide fanden auch anschließend Arbeitsplätze. Damit ist nicht nur die reine wirtschaftliche Existenz gesichert, sondern auch ein wesentlicher Schritt zur Integration und gesellschaftlichen Teilhabe gelungen.
Besonders gerne erinnert sich Thomas an die Begegnung mit einem afghanischen Hochschullehrer. Dieser war nach der Machtübernahme durch die Taliban im Rahmen eines UN-Hilfsprogramms mit seiner Familie nach Deutschland gebracht worden. Er hatte sich in Afghanistan auch als Dokumentarfilmer betätigt und sich u.a. für Frauenrechte eingesetzt, womit seine Lebensgrundlage im nun totalitär-patriarchalen Afghanistan aufs höchste gefährdet war.
Thomas half auch ihm beim Erlernen der deutschen Sprache und hatte so die Gelegenheit, wenn auch nur für kurze Zeit, einen sehr beeindruckenden Menschen näher kennenzulernen. Der Hochschullehrer entschied sich dann jedoch, einen Ruf der Universität in Harvard anzunehmen, Englisch sprach er schon fließend, und dort wieder in die Lehre einzusteigen.
Er schenkte Thomas zum Abschied eine unbenutzte Kladde und meinte, er solle doch sein Leben dort hinein schreiben. Thomas vermeldet, dass er nun schon 60 Seiten gefüllt hat.