Am 13.02.2026 wurde eine Studie auf die Website des Bundesinnenministeriums (BMI) hochgeladen, der Titel: „Institutionen & Rassismus“ (InRa). *) Es ist die erste Studie zu institutionellem Rassismus in Deutschland. Sie wurde 2019 in Auftrag gegeben und zwischen 2020 und 2024 durchgeführt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es rassistische Diskriminierung in allen untersuchten Institutionen gibt. Warum es hierzu keine Pressekonferenz und keine Pressemitteilungen gab, sondern einfach nur ein Hochladen freitagnachmittags, könnte an den Inhalten liegen.
Das BMI teilte unterdessen mit, dass die Ergebnisse aktuell ausgewertet würden. Eines stünde aber schon jetzt fest: „Das BMI sieht sich in der Annahme bestätigt, dass die weit überwiegende Mehrheit der Beschäftigten … seine Aufgaben mit hoher Professionalität und vorbildlichem Engagement erfüllt. Diskriminierung bleibt die absolute Ausnahme“ (Rheinische Post, Studie untersucht Rassismus in Behörden, 27.02.2026, A3).
Der Leiter des Forschungsprojekts, der Leipziger Soziologe Gert Pickel, kommt allerdings zu einer völlig anderen Einschätzung. „Rassismus und Diskriminierung seien in Behörden genau so verbreitet wie in der gesamten Bevölkerung. Zuwanderergruppen, insbesondere Sinti und Roma, schwarze Menschen sowie Muslime sind dem nach mit Diskriminierungen konfrontiert, die sich auch bei Behördenentscheidungen negativ für sie auswirken“ (siehe Rheinische Post).
Auch der Umfang der Studie lässt kaum Zweifel an der Repräsentativität der Ergebnisse zu. Die Forschenden bekamen Zugang zu Jobcentern, Ausländerbehörden, Polizei, Zoll, Justiz, Gesundheits- und Jugendämtern, insgesamt entstanden 23 Teilstudien. Einhelliges Ergebnis ist, dass rassistische Diskriminierung in allen untersuchten Institutionen nachweisbar ist. Auf den ausgeprägten Detaillierungsgrad weisen Teilerkenntnisse hin wie, dass geflüchtete Roma anders behandelt wurden als andere ukrainische Geflüchtete. Teilweise werden systematisch Informationen vorenthalten oder Beratungen und Übersetzungsdienste verweigert.
Von den beteiligten Institutionen kommen bislang wenige Kommentare und wenn eher technokratischer Art. So verweist das BAMF etwa auf die „relativ geringe Teilnahmequote“ (hier 18,6 %), ebenso die Bundespolizei (hier 12,9 %). Aus statistischer Sicht sind dies allerdings ausgesprochen hohe Quoten, die an der Repräsentativität der Studie nicht zweifeln lassen. Im Übrigen entsprechen die Ergebnisse auch den jahrelange Beobachtung der Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus des Kreises Mettmann (gegen-alltagsrassismus.org).
Die Studie enthält auch Hinweise zu möglichen Maßnahmen. So gilt das Antidiskriminierungsgesetz bisher nicht für Institutionen, was den Behördenkunden wesentliche Bürgerrechte vorenthält. Es mangelt auch an unabhängigen Beschwerdestellen, wie zum Beispiel in Form der Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus. Auch Rassismus orientierte Fortbildungsangebote stünden nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung.
In diesem Zusammenhang sind auch die Umstände bei Abschiebungen zu sehen, die häufig unter starker Missachtung von Gesetzen und Menschenrechten durchgeführt werden. Indiz hierfür ist eine teils übermäßige Gewaltanwendung. Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums (BMI) auf eine Anfrage wendeten begleitende Polizisten in 2025 deutlich öfter Gewalt gegen die Abzuschiebenden an als früher. In fast 1.700 Fällen kamen „Hilfsmittel der körperlichen Gewalt“, z.B. Fesselungen, zum Einsatz, wie das BMI es formuliert. Ein Anstieg von etwa 40 Prozent. (Immer mehr Piloten verhindern Abschiebungen, taz 26.02.2026, Seite 7)
Abschiebungen scheitern auch deswegen, weil sich PilotInnen von genutzten Linienflügen immer häufiger weigerten (in 2025 in etwa 500 Fällen), unter Gewaltanwendung an Bord gebrachte Personen zu befördern. Hierin wurden Verstöße gegen relevante Beförderungsgesetze wie z.B. das Luftverkehrsgesetz oder die Luftverkehrsordnung gesehen.
*) Rassismus in deutschen Institutionen und institutioneller Rassismus in Deutschland, Universität Leipzig Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt InRa-Studie „Institutionen & Rassismus“, 2024, Abschlussbericht der InRa-Studie „Institutionen & Rassismus“
