Midya kam im Alter von 16 Jahren im April 2014 aus Syrien, wo ihre aus Kurdistan stammende Familie bereits seit 2012 auf der Flucht war. Ihre Eltern und ihre fünf Kinder waren zunächst
Binnenflüchtlinge, gingen in 2013 in die Türkei und von dort nach Deutschland. Hier lebten bereits
zwei nahe Verwandte, die eine Familienzusammenführung organisieren konnten, so dass eine Einreise mit Visa möglich wurde.
Midyas Familie kam über eine Erstaufnahme in Dortmund über weitere Stationen schließlich im August 2014 nach Langenfeld.
Midya konnte das Gymnasium besuchen, wo sie für ein Jahr Deutschunterricht bekam und auch am normalen Schulunterricht teilnehmen konnte. Da sie vor der großen Flüchtlingswelle in Deutschland
angekommen war, wurde in den Schulen noch experimentiert, wie man mit ausländischen Schülern umgehen konnte. Midya besuchte anschließend eine Abendschule in Monheim, wo sie einen qualifizierten
10. Klasse Abschluss erreichte. Danach besuchte Sie das Berufskolleg in Leverkusen, wo sie 2019 das Fachabitur erwarb. Anschließend begann sie ein Studium für Internationale Kommunikation an der
TH in Köln.
Midya ist inzwischen Mutter einer Tochter und konnte das Studium erfolgreich abschließen. Sie beherrscht jetzt fünf Sprachen.
Nach der Ankunft in Deutschland hatte ihr Vater den Familienmitgliedern von Anfang an eingeschärft, dass man nicht mit einer baldigen Rückkehr in die Heimat rechnen könne und jeder versuchen
solle, sich so gut wie möglich zu integrieren und möglichst schnell die deutsche Sprache zu lernen. Man solle die Zeit nicht mit Warten verbringen, sondern etwas unternehmen. Das hat Midya von
Beginn an stark geprägt.
Der Weg zur Integration und gesellschaftlichen Anerkennung, so Midya, führt über schulischen und beruflichen Erfolg. Auch Geschwister von ihr verfügen über Studien- und Schulabschlüsse.
Ein wichtiger Rat von Midya ist, mutig zu sein, sich im normalen Leben zeigen, bewähren und ankommen. Es ist wichtig, sich über die Sprache weiter zu entwickeln, da man in Deutschland viele Chancen nutzen kann, um in vielfältigen Bildungs- und Qualifizierungssystemen teilzuhaben.
Dabei hilft es sehr, Anschluss zu finden bei Deutschen in Schule, Ausbildung, Studium oder Beruf. Man solle kulturelle Barrieren, die zwangsläufig vorhanden sind, nicht überbewerten.
Sie sieht allerdings auch das Problem, dass Menschen zu stark in den nationalen Verbänden verbleiben, man sollte gleichzeitig aber offen sein für gesellschaftliche Beziehungen.